Würdigung von Prof. Dr. med. Monika Barthels
Frau Professorin Dr. med. Monika Barthels wurde im Rahmen der Mitgliederversammlung am 18. Februar 2011 zum Ehrenmitglied der GTH gewählt. Anbei eine Würdigung dieser herausragenden Hämostaseologin und langjährigen Leiterin des GTH-Intensivkurses, verfasst von Dr. med. Andreas Tiede, PhD.
„Warum ist die APTT beim Antithrombin-Mangel nicht verkürzt?" „Wie kommt es bei der DIC zur Hyperfibrinolyse?" Gern erinnere ich mich an diese Fragen aus meinem 6. Semester an der Medizinischen Hochschule Hannover. In der Lehre war und ist Monika Barthels ganz in ihrem Element: sie kann erklären, begeistern, Neugier wecken. Und so hat sie nicht nur Generationen von MHH-Studierenden die Gerinnung näher gebracht. Mit dem von ihr geleiteten GTH-Intensivkurs „Klinische Hämostaseologie" ist ein einzigartiges Forum entstanden, in dem Grundlagenwissenschaftler und Kliniker gemeinsam eine fundierte hämostaseologische Ausbildung erhalten.
Monika Barthels studierte in Göttingen und München und promovierte bei Rudolf Marx über den Einfluss von Tolbutamid (Rastinon®) auf die Blutgerinnung. Sie absolvierte ihre Weiterbildung in der Inneren Medizin und Pädiatrie in Göttingen und Berlin/W. 1968 ging sie für ein Jahr zu dem Biochemiker Walter H. Seegers an die Wayne State University Detroit, Michigan, wo sie über den Einfluss von Lipiden auf die Thrombinbildung forschte.
Mit ihrer Rückkehr nach Deutschland 1969 übernahm sie die Leitung der Hämostaseologie in der neu gegründeten MHH. Hier habilitierte sie sich 1977 über den Einfluss von Thrombinbildungsstörungen auf den Fibrinstabilisierungsverlauf. Sie baute das Gerinnungslabor der MHH auf, etablierte einen vorbildlichen klinisch-hämostaseologischen Konsilardienst und eines der größten Hämophiliezentren der Bundesrepublik. Bis heute sprechen die Hannoverschen Patienten und viele norddeutsche Kollegen voller Bewunderung von Monika Barthels als ihrer „Landesgerinnungsmutter".
Einem noch größeren Kreis ist Monika Barthels bekannt durch ihr Buch Gerinnungsanalysen, das von 1975 bis 1998 in 6 Auflagen bzw. 2003 als Gerinnungskompendium erschien. Mit diesem Buch hat sie ein im deutschen Sprachraum einzigartiges Kompendium der Hämostaseologie geschaffen, das Klinikern, Labormedizinern und medizinisch-technischen Assistenten gleichermaßen als Referenz- und Nachschlagewerk dient.
Wissenschaftlich setzte Monika Barthels mit der Nordwestdeutschen Hämophiliestudie (1977 bis 1985) Maßstäbe für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Hämophiliezentren. Daneben förderte sie die interdisziplinäre Vernetzung der Hämostaseologie an der MHH, so z. B. mit Studien zum Einfluß von Gerinnungsveränderungen auf die akute Lungenschädigung (ARDS) beim Polytrauma. Über 50 Doktoranden promovierten bei ihr.
Seit 1977 Mitglied der GTH, engagierte sie sich vor allem für die Lehre und Fortbildung. Der GTH-Intensivkurs, den sie 1996-2008 leitete, hat sich unter ihrer Führung zu einer der wichtigsten Aktivitäten unserer Gesellschaft entwickelt.
Mit der Wahl zum Ehrenmitglied am 18. Februar 2011 würdigt die GTH die Lebensleistung von Monika Barthels in Lehre, Wissenschaft und Krankenversorgung, aber vor allem auch ihr wertvolles Engagement für unsere Fachgesellschaft. Vorstand und Mitglieder der GTH beglückwünschen unser neues Ehrenmitglied und danken Monika Barthels von Herzen!
Andreas Tiede (Hannover) für den Vorstand der GTH